31 Aug 2010
Einführung eines QM-Systems Teil 1: Die Vorüberlegungen
Auslöser für die Diskussion um die Einführung eines Qualitätsmanagements war eine Sitzung des Sozialausschusses im Rathaus, in dem die Politik verlauten ließ, dass die Verlängerung der Leistungsverträge mit der Dokumentation der qualitativen Arbeit verbunden wird. Die bisherige Form der Sachberichte und Verwendungsnachweise würde nicht genügend darüber Auskunft geben, welche Qualität die Arbeit vor Ort habe und der Einsatz von immer knapper werdenden Haushaltsmitteln müsse dazu führen, dass die soziale Arbeit vor Ort transparenter würde und genauer nachvollziehbar wäre, was mit dem Geld erreicht wird.
Mit dieser Aussage beschäftigt sich die Vorstandssitzung unseres Mehrgenerationenhauses Musterhausen, im folgenden wieder MGH genannt, an der auch die Leiterin des Hauses teilnimmt. Die bisherige Praxis zur Dokumentation der kommunalen Fördermittel bestand aus einem Sachbericht, in dem über die Aktivitäten des Hauses und die Entwicklung der Besucherzahlen berichtet wurde und aus einem Zahlenwerk, in dem die Mittelverwendung nachgewiesen wurde.
Die zusätzlichen Fördermittel des Bundes werden über ein Online-System dokumentiert, an das ein Benchmarking-System angeschlossen ist, um Häuser gleichen Typs und gleicher Größe bundesweit vergleichen zu können.
Der Vorstand hat sich im Vorfeld der Sitzung bereits mit ersten Informationen zum Thema Qualitätsmanagement ausgestattet und ist auf vier verschiedene Modelle aufmerksam geworden:
Das Mittel erster Wahl wäre vielleicht eine Zertifizierung nach DIN EN ISO 9000 / 9001 ff. Diesen Weg haben bereits einige Pflegedienste in der Stadt beschritten. Das Verfahren ist allerdings aufwendig und kostenintensiv und die Kommune hat bereits verlautbaren lassen, dass sie die Vergabe von Fördergeldern vorerst nicht an eine solche Zertifizierung binden würde, da die meisten Träger die Ausgaben dafür nicht aufbringen könnten. Aus Sicht unseres Vorstandes bleibt die vage Formulierung “vorerst” im Kopf hängen, aus Aufwands- und Kostengründen wird ein DIN EN ISO System aber schnell verworfen, allerdings bleibt das Wort “vorerst” der Kommune im Hinterkopf hängen.
Bei näherer Betrachtung des EFQM-Modells kommt der Vorstand schnell zu dem Ergebnis, dass der Aufwand für die Einführung ähnlich hoch wäre, wie bei einer DIN EN ISO Zertifizierung. Außerdem wird diskutiert, wie ein QM-System auf dem Hintergrund von Teilzeitstellen und einem hohen Anteil an ehrenamtlich Mitarbeitenden überhaupt aufgebaut werden kann. Wird die Arbeit an den Hauptamtlichen hängen bleiben, die oft am Leistungslimit arbeiten, oder wird es gelingen, die Ehrenamtlichen an einem solchen Prozess zu beteiligen und was bedeutet das für den Träger?
Das Thema Benchmarking ist bereits aus dem Modellprojekt Mehrgenerationenhäuser des Bundes bekannt und liefert zum Teil Vergleichsergebnisse, die in der Arbeit vor Ort verwendet werden können. Für die Einführung eines QM-Systems vor Ort scheint das Modell allerdings weniger geeignet. Zu unterschiedlich sind die Angebote der Mitbewerber vor Ort und es müsste erst langwierig geklärt werden, ob die anderen Träger zur Mitarbeit bereit sind und unter welchen Bedingungen.
Die Präferenz unseres Vorstands fällt nach intensiver Diskussion auf das Modell der Selbstevaluation. Im Prinzip ist diese Methode schon bekannt und wird auch schon länger punktuell angewendet. Für den Nachweis von Qualität, wie ihn die Kommune fordert, reicht das nicht aus. Die Ergebnisse aus der Selbstevaluation werden mehr intern verwendet, um eine qualitative Arbeit nach Außen zu dokumentieren sind sie in der augenblicklichen Form nicht geeignet. Außerdem stehen noch zwei weitere Überlegungen an:
- Was passiert, wenn die Kommune mittelfristig von ihrem Standpunkt abweicht, dass eine DIN-EN-ISO-Zertifizierung vorerst nicht notwendig ist und diese dann doch fordern sollte?
- Wenn ein QM-System eingeführt wird, würde der Vorstand gerne gleichzeitig ein Controlling sehen, dessen Ergebnisse in die mittel- und langfristige Planung des Vereins einfließen.
Da die Ressourcen Geld und Personal knapp sind, wird es nicht möglich sein, einen Controller einzustellen und den Mitarbeitern große zusätzliche Aufgaben in Form von Dokumentation und Zahlenerhebung aufzubürden.
An dieser Stelle wird der Vorstand des MGH Musterhausen auf das QM-Modell von Stefan Zollondz aufmerksam:
Das QM-Modell von Stefan Zollondz baut auf der Methode der Selbstevaluation auf. Diese ist im Non-Profit-Bereich geläufig und wird schon lange erfolgreich eingesetzt. Unter Mitwirkung aller beteiligten Mitarbeitenden werden die Arbeitsprozesse unter der Fragestellung untersucht:
- Was läuft besonders gut und warum?
- Wo können Abläufe verbessert werden und wie?
- Welche Prozesse sind bisher noch gar nicht geregelt und wie kann das geändert werden?
Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass es viele Prozesse gibt, die gut funktionieren und die ggf. noch verbessert werden können. Auf keinen Fall geht es darum, alle bestehenden Arbeitsabläufe über Bord zu werfen, um sie anschließend im Rahmen des Qualitätsmanagements neu zu entwickeln.
Die Dokumentation der Ergebnisse und Prozesse erfolgt zentral in einer speziellen Softwareanwendung, die über das Internet oder das firmeneigene Intranet genutzt werden kann. In dieser Groupware entsteht nach und nach das Qualitätshandbuch mit der Beschreibung aller Prozesse, mitgeltender Dokumente und Verfahrensanweisungen. Alle Mitarbeitenden haben Zugriff auf diese Dokumente und sind angehalten, sie für ihre Arbeit zu nutzen.
Die Ergebnisse aus der Dokumentation bilden eine umfassende Grundlage, falls zu einem späteren Zeitpunkt doch eine DIN-EN-ISO-Zertifizierung angestrebt werden sollte.Die Steuerung des QM-Systems erfolgt über ein schlankes Kennzahlensystem, das mit der Methode der Balanced Scorecard gelenkt und überwacht wird.
Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Non-Profit-Bereich ssteigt kontinuierlich an. Aus diesem Grund ist es wichtig, ein praxisnahes Instrument zur Datenerhebung für die Kennzahlen zur Verfügung zu stellen. Die Balanced Scorecard ist hierfür bestens geeignet, da schon mit wenigen Kennzahlen aussagefähige und interpretierbare Ergebnisse zur Verfügung gestellt werden können. Kurze Auswertungszyklen lassen ein flexibles, situationsbedingtes Reagieren zu im Gegensatz zu anderen Systemen, deren Zahlen erst am Jahresende interpretiert werden können.Besonderen Wert legt Stefan Zollondz auf die Einbeziehung der ehrenamtlich Tätigen in das QM-System. Eine Beteiligung auf Augenhöhe sowie die aktive Mitgestaltung der Prozesse fördern den Zusammenhalt aller Beteiligten und entlasten die hauptamtlichen Mitarbeiter.
Die Kosten für die Beratung und Einführung dieses QM-Systems sind orientieren sich an Modulen und verzichten auf langfristige Vertragsbindungen. Auf Wunsch können alle Leistungen auch indivduell nach Aufwand abgerechnet werden.
Am Ende des Prozesses steht eine Einrichtung, die zukunftsorientiert aufgestellt ist und als Lernende Organisation ihre eigene Weiterentwicklung nachhaltig steuern kann.
Dieses System soll im MGH Musterhausen zum Einsatz kommen. In der nächsten Folge am kommenden Dienstag geht es darum, welche Vorbereitungen für die Einführung getroffen werden müssen.